Samstag, 1. Mai 2010
Ja, ich lese Günter Grass
Die Schule mit Pflichtlektüre liegt bereits lange hinter mir. Ich war nicht immer glücklich mit den auferlegten Büchern, die es nicht nur zu lesen, sondern auch zu durchdringen galt. Vielleicht kam es daher, dass ich nach der Schule eine Zeit lang wenig gelesen habe, um nicht zu sagen gar nicht. Irgendwann hat die Welt des Schwarz-auf-Weiß wieder an meine Tür geklopft. Zunächst nur leise und unscheinbar, dann immer bestimmter. Ich ließ sie erst eine Weile klopfen, bevor ich sie herein gelassen habe. Immerhin waren es 27, rein schwarz gekleidete Buchstaben, die auf einer weißen Rolle, wie auf einer Perlenkette aufgereiht, hintereinander schritten, standen und warteten.

Sie haben mich dann in meiner Wohnung schlicht weg "vom Hocker gehauen". Allein die Kombinationsmöglichkeiten waren bereits erstaunlich. Als ich schließlich noch von den unterschiedlichsten Formen, wie Verben, Substantive, Suffixe, Fälle und vieles mehr gehört hatte, da sie mir - in voller Zahl erschienen - alles verbildlichten und sich zu immer neuen Gruppen zusammen schlossen, war es so weit, dass ich von meinem Stuhl fiel. Von diesem Ereignis beeindruckt, war bald das erste Buch wieder in meinen Händen.

Mir ist bisher nicht klar warum, aber ich entwickelte eine kleine Vorliebe für Günter Grass oder auch Edgar Hilsenrath.
Wenn mich heute Freunde oder Bekannte mit derartigen Büchern sehen, fragen sie schief schauend:
"Wie, du liest Günter Grass? Freiwillig??"
Da sich diese Fragerei häuft, sage ich es euch klipp und klar:

Ja, ich lese Günter Grass!

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